Ramona Paar antwortete auf Leserbrief „ Mehr Schutz und Raum für Radfahrer“  vom 22.11.19 in der FN und RNZ am 26.11.2019 wie folgt:

 

Als ebenso leidenschaftliche Radlerin wie Fußgängerin erlebe ich zum Teil mehrfach in der Woche brenzlige Situationen nicht nur auf dem besagten Radweg in der Ringstraße sondern auch sonst auf Walldürner Straßen.

Das reicht vom zu nahem seitlichen Vorbeifahren und knappem Überholen über Vorfahrt nehmen, bis zum Zuparken von Rad-und Fußwegen durch Autos z.B. an Geschäften.

Oft sagen die darauf angesprochenen Autofahrer/innen „Ich bin doch gleich wieder weg. Ich hole nur schnell ein Brötchen“ oder ähnliches. Auch Fußgänger mit oder ohne Kinderwagen oder mit Gehhilfen  sind vom Zuparken der Rad-/Gehwege betroffen.

Zusätzlich zwingen in die Gehwege ragende Hecken am o.g. Radweg und anderswo die Fuß-gänger, auch z.B. Schüler/innen, zum Ausweichen auf den Radweg oder noch schlechter, auf die Straße. Damit verlagern sich dann zeit- und streckenweise alle Verkehrsteilnehmer kom-plett auf die Fahrbahn. In der Folge kommt es zu gefährlichen und chaotischen Situationen. Hinzu kommt die Unübersichtlichkeit an Einmündungen oder Kreuzungen durch „grüne Wände“ oder sonstige hohe geschlossene Einfriedungen.

Ich verkenne nicht, dass auch Radler/innen aufgrund unsicherer oder, auch umgekehrt, zu selbstbewusster Fahrweise Problemverursacher sind. Der Boom der Pedelecs trägt ab und an zu weiterer Gefährdung bei.

Dabei würde gegenseitige Rücksichtnahme manchmal auch schon helfen.

Aber soviel steht fest:

Alle Bürger/innen sind vollwertige Verkehrsteilnehmer mit Rechten und Pflichten. Es ist schon lange klar, dass nur die gleichberechtigte Teilhabe an Mobilität, die wir ja alle so schätzen, zukunftsträchtig und nachhaltig ist. Dazu soll der Verkehr fließen und nicht stehen. Die Zeiten, in denen Kommunen sich nur einseitig auf autogerechte Erschließung konzen-trieren konnten, sind vorbei und das ist gut so. Verkehrskonzepte, die alle Beteiligten integrieren und berücksichtigten, haben Lebens- und Aufenthaltsqualität auf Straßen, Rad- und Gehwegen, Parkierungsflächen, Plätzen und verkehrsberuhigten Zonen zur Folge.

Dazu braucht es die Kommunikation mit den Bürgern/innen und, wo nötig, Kontrollen und Vollzugshandlungen, ein Parkleitsystem und übersichtliche eindeutige Beschilderung sowohl im Stadtkern als auch schon bei den Zubringerstrecken. Ca. 30% des Verkehrsaufkommens entsteht beim Anfahren von oder auf der Suche nach Parkplätzen. Durch diverse aktuelle Bauvorhaben im Stadtkern wird sich hier der Druck vermutlich noch erhöhen. Ein Grund mehr, das zugegebenermaßen komplexe Thema „Nachhaltige Mobilität“ konsequent zu verfolgen.

Die Analysen dazu liegen vor, auch in Walldürn. Das o.g. ist so sinngemäß im von der Stadt beauftragten und vorliegenden städtebaulichen Feinplanungskonzept zu lesen, an dem auch Verkehrsplaner beteiligt waren.

Als die Kommune in die Planung für die Neugestaltung der Unteren Vorstadtstraße eingestiegen ist, sollten 2015 die Fraktionen und Gruppierungen im Gemeinderat jeweils ihre Stellungnahme dazu abgeben. Die Freien Wähler Walldürn haben das damals umfangreich und fristgerecht getan. Bestandteil dieser Stellungnahme war u.a. die Einrichtung eines sog. Schutzstreifens für Radler als zeitgemäße und allerorten erprobte Möglichkeit, sicheren Radverkehr zu ermöglichen, bei gleichzeitig gewährleisteter Befahrbarkeit durch Fahrzeuge, solange und wenn gerade kein Radverkehr auf dem Schutzstreifen stattfindet. Wir dachten, bei der Neugestaltung einer so wichtigen innerörtlichen Straße, wäre diese Maßnahme sinnvoll und zukunftsträchtig, auch mit Anbindung des Jugend-und Kulturzentrums Alter Schlachthof. Wir wurden bei den Abstimmungen im Gemeinderat eines Besseren belehrt. Ausnahmslos alle anderen Fraktionen/Gruppierungen haben den Schutzstreifen z.T. vehement abgelehnt, u.a. mit der Aussage „So ein Schutzstreifen bietet nur Pseudosicherheit für die Radler“. Also wurde einmal mehr der Autoverkehr priorisiert.  Immer mal wieder wird auch über die Öffnung der Hauptstraße, in Teilen oder ganz, in diese oder jene Richtung, diskutiert. Auch dortige Geschäftsinhaber und Anwohner haben unterschiedliche Meinungen. Allerdings kann man die Hauptstraße in der jetzigen Form auch als fast einzige in Walldürn halbwegs beruhigte und für alle Verkehrsteilnehmer einigermaßen gleichberechtigt nutzbare Fläche interpretieren.

Jedenfalls ist ohne die vollwertige Integration von Fußgängern und Radfahrern nachhaltige Mobilität innerhalb der Kommune nicht zu erreichen. Da ist in Walldürn noch viel Luft nach oben.

 

 

 

 

Ramona Paar

Walldürn

26.11.2019

 


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